Handball-Männer stolz über EM-Silber

Handball-Männer stolz über EM-Silber

Die deutsche Mannschaft bei der Siegerehrung mit der Silbermedaille Gruppenbild Mannschaftsbild
Handball-Männer stolz über EM-Silber

Direkt nach dem Finale war die Enttäuschung über die 27:34-Niederlage gegen den Weltmeister, Olympiasieger und nun auch Europameister Dänemark noch groß, doch der anfängliche Frust wandelte sich kurze Zeit später in berechtigten Stolz. „Ich bin stolz darauf, dass wir näher rangerückt sind“, sagte Kapitän Johannes Golla (SG Flensburg-Handewitt), „dass wir sagen können, wenn wir an unser Optimum kommen, dass wir mithalten können!“ Tatsächlich machen die Final-Leistung und die Auftritte in den neun Partien der kontinentalen Meisterschaft – mit Ausnahme der Niederlage gegen Serbien und mit Abstrichen beim 26:31 gegen die Dänen in der Hauptrunde – Mut mit Blick auf die Heim-WM im kommenden Jahr im eigenen Land.

Der ins All-Star-Team berufene Kreisläufer weiter: „Wir haben uns auch heute nicht aufgegeben, und wenn man auf das Ergebnis schaut, fällt es deutlich höher aus, als es das Spiel hergibt.“ Im Olympia-Finale 2024 hatte die DHB-Auswahl gegen den Weltmeister noch deutlich klarer verloren (26:39), „im Vergleich zu Paris können wir heute erhobenen Hauptes hier rausgehen – aber alles in allem hat es nicht gereicht heute, das müssen wir anerkennen.“

Torhüter Andreas Wolff attestierte der deutschen Mannschaft „ein sehr, sehr gutes Spiel sowie ein noch besseres Turnier: Wir haben nochmal deutliche Schritte nach vorne gemacht – auch im Vergleich zu der aktuell besten Mannschaft Dänemark“. Sein Team habe „sehr viel Potenzial, und ich denke, dass wir noch öfter Finals gegen Dänemark spielen werden.“ An seiner Leistung lag es im Finale gegen den Top-Favoriten Dänemark jedenfalls nicht. Andreas Wolff sammelte während der 60 Minuten von Herning insgesamt 14 Paraden – und damit nur eine weniger als seine dänischen Antipoden Emil Nielsen (7) und Kevin Möller (8) zusammen. Schon weit vor Anpfiff war dem nun alleinigen deutschen EM-Rekordspieler (42 Einsätze seit 2016) eine große Ehre zuteilgeworden: Trotz großer Konkurrenz wurde der Kieler ins All-Star-Team des Turniers gewählt, zum bereits dritten Mal nach 2016 und 2024.

Nach der Final-Niederlage wirkte der zuvor so aufbrausende Keeper im ZDF-Interview bemerkenswert aufgeräumt und klar: „Die Stimme ist da, das Herz weint noch ein bisschen“, erklärte er eingangs, um dann treffend zu analysieren: „Wir haben es fast geschafft, unseren Matchplan abzuhaken. Wir wollten bis zur 50. Minute mit zwei Toren dranbleiben. Wir hatten auch die Chance, das zu erreichen oder sogar noch näher heranzukommen, aber dann hatten wir Pech in ein, zwei, drei Aktionen.“ Zum Abschluss gab sich Wolff wieder angriffslustig: „Nächstes Jahr spielen wir die WM bei uns zu Hause. Vielleicht haben wir da die ein oder andere vorteilhafte Situation auf unserer Seite und schlagen dann die Dänen im Finale.“

Dänemarks Trainer Nikolaj Jacobsen, früher bei den Rhein-Neckar-Löwen an der Seitenlinie, bekannte am Sonntagabend vor 15.000 fanatischen Zuschauern in Herning: „Wir hatten nach einer Viertelstunde die Chance, den Vorsprung zu vergrößern, aber Andreas Wolff war der Hammer im Tor. Zum Glück ist es uns danach dann endlich gelungen, Tore zu erzielen. Aber, ich denke, der Unterschied von sieben Toren am Ende zeigt nicht, was dieses Finale für ein wirklich hartes Spiel war. Es ist erst in den letzten vier oder fünf Minuten entschieden worden.“

Und die weit kommen die DHB-Jungs bei der Wahl zum Team des Jahres? 2024 katapultierte sie Olympia-Silber auf Rang 3 – Alfred Gislason nahm in Baden-Baden die Auszeichnung entgegen. Die Empfehlung von Herning dürfte beim Voting im Dezember kaum vergessen sein…

Bild: picture alliance

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