Heiter, beschwingt, nachdenklich, berührend: „Der Sportler“ ein Jahr vor dem Achtzigsten

Heiter, beschwingt, nachdenklich, berührend: „Der Sportler“ ein Jahr vor dem Achtzigsten

Heiter, beschwingt, nachdenklich, berührend: „Der Sportler“ ein Jahr vor dem Achtzigsten

Auch die 79. Auflage der Gala „Sportler des Jahres“, zum 57. Mal in der Kurstadt Baden-Baden über die Bühne gegangen, war wieder ein Spiegelbild der Emotionen. Der großen und kleinen Geschichten, der Überraschungen, der vielen persönlichen Anekdoten aller Beteiligten. Ein Verdienst vor allem auch der beiden Moderatoren, der wunderbaren und herzfrischend charmanten Lena Kesting und ihres souveränen ZDF-Partners Sven Voss.

Das Duo durfte bei seinem dritten gemeinsamen Auftritt im neu gestylten Bénazetsaal so viele geladene Gäste wie noch nie begrüßen – 720 waren gekommen. „Die größte Sportlerinnen- und Sportlerdichte in der Geschichte unseres Familienfestes des deutschen Sports“, wie Klaus Dobbratz, Chef der gastgebenden Internationalen Sportkorrespondenz (ISK), bei der anschließenden Pressekonferenz mit berechtigtem Stolz verkündete. 180 Olympiasieger, Europameister, Weltmeister aus insgesamt 32 verschiedenen Sportarten. „Da geht einem doch das Herz auf.“ Und das in einem „neu gestalteten Saal, der eine architektonische Meisterleistung darstellt.“

Wie der Vater so der Sohn: Newcomer Andor Rik Schumann

Der Abend begann mit der Vorstellung des Newcomers, ausgeschrieben von „Die Siegerchance, eine Zusatzlotterie der Glücksspirale“. Dieser Titel ging in diesem Jahr an Andor Rik Schumann, den 17-jährigen 800-m-Läufer und Sohn von Nils Schumann, der 2000 in Sydney über diese Strecke Olympiasieger geworden war. 10.000 Euro gab es für ihn und noch einmal 10.000 Euro für seinen Heimatverein in Erfurt. Insgesamt sechs bisherige „Newcomer des Jahres“ bildeten abschließend ein tolles „Familienfoto“.

Die Erinnerung an die Special Olympics in Berlin vor zwei Jahren bildete den Grundstein für die Einführung und Verleihung des „Special Olympics Sportler*in des Jahres“, gesponsert von der Telekom. Botschafter Felix Neureuther formulierte es in seiner Laudatio treffend: „Wenn man die Begeisterung und den Siegeswillen, die Fairness dieser Menschen sieht, dann geht einem das Herz auf.“ Die Premierensiegerin heißt Sophie Dziadek, eine erfolgreiche Short-Track-Para-Athletin, die ihre Ehrung ebenso berührt wie berührend entgegen nahm. Als Preis gab es neben einem Pokal einen Sommerurlaub für die gesamte Familie.

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Weikert, und dessen Vize-Präsidentin Miriam Welte ehrten als „Trainerin des Jahres“ Lara Broich, die Tischtennis-Bundestrainerin der Damen U19. Als „Trainer des Jahres“ wurde der Biathlon-Bundestrainer der Damen, Kristian Mehringer, ausgezeichnet. Laudatorin Annett Kaufmann, „Newcomerin 2021“, dankte Laura Broich mit sehr persönlichen Worten. Miriam Welte würdigte anschießend Kristian Mehringer, die sie von Franziska Preuß, die wegen ihres engen Terminkalenders nicht anwesend sein konnte, erhalten hatte.

Klare Entscheidung: Leo Neugebauer „Sportler des Jahres“

Unter tosendem Applaus bildeten Lena Kesting und Sven Voss nach dem Vorprogramm einen stimmungsvollen „Opener“. Ihre erste Aufgabe bestand darin, die Top drei der herausragendsten Sportler dieses Jahres auf die Bühne zu bitten: Florian Wellbrock, nach einem „verkackten Olympiajahr“ vierfacher Weltmeister im Freiwasser. Danach der „König der Athleten“, Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer. Aus dem Trainingslager in Mallorca wurde der Dritte im Bunde, Tour-de-France-Hero Florian Lipowitz, zugeschaltet.

Jeder der drei, das war auch die Meinung im Publikum, hätte es verdient gehabt, den Titel gewinnen. Aber am Ende war es der Schwabe Leo Neugebauer, der sichtlich bewegt die „Standing ovations“ der 720 Gäste in Empfang nahm. Die Trophäe gab, sehr berührend, aus den Händen seines Vaters, eines gebürtigen Kameruners. Der „entschuldigte“ sich dafür, dass er als Vater so streng gewesen sei. Leo brachte es als ehemaliger Newcomer auf den Punkt: „Das ist so eine geile Veranstaltung, ich war ja schon mal hier. Das ist ein full circle moment. Wie ein Traum. Heute Abend wird gefeiert.“

Handball-Vize-Weltmeisterinnen wurden gefeiert

Die Ehrung der Frauen begann mit einer Überraschung, der Anwesenheit der deutschen Handballerinnen, die bei der WM vor einer Woche Silber gewonnen hatten, aber wegen des späten Beginns des Turniers nicht mehr für die Abstimmung in Frage kamen. Die „Mainzelmännchen“ bezogen in ihr neues Format bei der Ermittlung des Team-Gewinners auch zwei ganz Große mit ein, Franziska van Almsick und Malaika Mihambo.

Professor Dr. Ulrich Reuter, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, nahm die Ehrung des „Sparkassenpreises für Vorbilder im Sport“, Elena Semechin, vor. Die an Krebs erkrankte Athletin kämpfte sich Operationen ins Leben zurück, wurde zweifache Paralympics-Siegerin im Schwimmen, gewann mehrere Welt- und Europameister-Titel und brachte vor drei Monaten einen Sohn zur Welt. „Deine Geschichte motiviert, und aus diesem Grunde möchten wir Dich auszeichnen“, formulierte es Dr. Reuter.

Elena Semechin ein würdiges „Vorbild im Sport“

„Ich freue mich riesig, hier sein zu dürfen. 2013 habe ich zum ersten Mal von diesem Preis gehört. Heute werde ich damit ausgezeichnet, das ist unglaublich. Und ich bin dankbar und stolz, dass ich mit meiner Geschichte so viele Menschen berührt habe. Das zeigt, dass doch Vieles richtig gelaufen ist in meinem Leben. Ich bin auf dem richtigen Weg und ich werde genau so weitermachen“, bekannte die Preisträgerin. Die persönliche Auszeichnung sei auch sehr wichtig für die paralympische Bewegung: „Wir sind auf dem Weg zur gelebten Inklusion.“

Wie bei den Männern, wurden auch bei den Frauen die Top-3 besonders angekündigt: Darja Varfolomeev, mit fünf WM-Titeln die Königin der Rhythmischen Sportgymnastik, genauso wie Anna Elendt, die in Singapur über 100 Meter Brust im WM-Finale alle überraschte. Biathlon-Gesamtweltcup-Siegerin Franziska Preuß wurde vom Weltcup in Le Grand Bornand zugeschaltet.

Franziska Preuß mit knappem Vorsprung auf Platz 1

„Eine große Ehre ist es für mich, aber auch für alle Anderen, und das zeigt, dass es sich lohnt, auch dann weiter zu machen, wenn man meint, es geht nicht mehr, und wenn man ganz unten liegt“, ließ „Franzi“ Preuß aus Frankreich wissen. Und sie war es letztendlich auch, die mit dem minimalen Vorsprung von nur 47 Punkten (1748 zu 1701) Titelträgerin wurde. Sie nahm aus der Ferne den tosenden Applaus sowie das Feuerwerk im Saal entgegen.

Bewegender Nachruf auf Laura Dahlmeier

Für viele der bewegendste Moment des Abends war, als das ZDF der im Sommer im Himalaya tödlich verunglückten Biathletin, Expertin und Kollegin Laura Dahlmeier gedachte. Da wurde es auf einmal sehr still und berührend im Saal, als die Bilder mit und um Laura und ihr Leben, ihre Liebe zur Natur noch einmal musikalisch sehr, sehr anrührend Revue passierten und langen herzlichen Applaus hervorriefen

Dann wurde es doch noch einmal heiter und beschwingt, als Timo Boll den „Lifetime Award“ als Auszeichnung für sein Lebenswerk als Tischtennis-Idol in Empfang nehmen durfte und anschließend „unter erschwerten Bedingungen“ gegen Sven Voss den Schläger auspacken musste.

Der Transfer der Bayern-Basketballer vom Bundesligaspiel in Köln auf dem Luftweg zeigte dann die Tücken einer Livesendung auf. Unter dem Jubel des Auditoriums zogen sie gerade noch rechtzeitig in den Saal ein. Aus drei großartigen Teams, der 4×100-m-Staffel der Frauen, den mit WM-Gold dekorierten Hockey-Spielern und den schwarz-rot-goldenen Korbjägern, die nach Weltmeister 2024 auch Europameister 2025 wurden, galt es, das „Team des Jahres“ zu wählen – zu dem die Basketballer mit riesengroßem Vorsprung gewählt wurden.

Und auch her konnte es natürlich nur eine Formation werden. „Jetzt wird es richtig schön kuschelig  hier auf der Bühne“, meinte Lena und Andi Obst plauderte aus dem Nähkästchen: „Es richtig stressig, nach dem Spiel her rüber zu kommen, aber wir haben das Beste draus gemacht.“

Hohes Lob von Partner ZDF: „Verlassen uns auf die ISK!“

ZDF-Sportchef Dr. Yorck Polus lobte bei der Pressekonferenz den Veranstalter: „Ich verlasse mich einfach auf die ISK. Mein Dank geht an sie, dorthin, wo das alles geleistet wird. Wir versuchen, die Sendung weiter zu entwickeln, an einigen Schräubchen zu drehen. Ob das ankommt, das müssen die Zuschauer entscheiden. Das hier hat richtig Bock gemacht, und ich freue mich schon auf das nächste Mal.“

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