Newcomer des Jahres 2023

Leo Neugebauer, Schwäbischer Himmelsstürmer und „Sunnyboy“. Mit einem leichtathletischen Feuerwerk sorgte kurz vor seinem 23. Geburtstag Leo Neugebauer aus Leinfelden bei Stuttgart Anfang Juni dieses Jahres bei den College-Meisterschaften in Austin/Texas für eine Revolution in der deutschen Zehnkampfgeschichte. Der schwäbische Himmelsstürmer verbesserte den 39 Jahre alten deutschen Rekord von Jürgen Hingsen, Ex-Weltrekordler und Olympiazweiter von Los Angeles 1984, um vier Zähler auf 8836 Punkte und war damit 2023 weltweit der zweitbeste Zehnkämpfer. „Du bist in Deutschland jetzt der größte Zehnkämpfer aller Zeiten“, rief ihm sein Coach nach dem abschließenden 1500-Meter-Lauf zu.

Neugebauer setzt damit die legendäre Tradition deutscher Zehnkämpfer mit den Olympiasiegern Willi Holdorf (1964) und Christian Schenk (1988), den Weltmeistern Thorsten Voss (1987) und Niklas Kaul (2019), den Weltrekordlern Kurt Bendlin und Guido Kratschmer sowie Frank Busemann (Olympia-Silber 1996) fort. Sie alle hat der „Jungspund“ Leo Neugebauer jetzt überholt.

Gleich sechs persönliche Bestleistungen hatte Neugebauer in seinem Rekord-Zehnkampf abgeliefert. „Diese Leistung eines 22-Jährigen ist unfassbar“, kommentierte Ex-Weltrekordler Guido Kratschmer, 1980 „Sportler des Jahres“, die Nachricht aus den USA, „ich denke, er wird in Richtung 9000 Punkte marschieren“. Nur vier Zehnkämpfer haben diese magische Marke bisher überboten: Kevin Mayer (Frankreich, 9126), Ashton Eaton (USA, 9045), Roman Sebrle (Tschechien, 9026) und Damian Warner (Kanada, 9018).

„Sunnyboy“ Leo Neugebauer, dessen Vater aus Kamerun stammt, ist bescheiden geblieben. „Mein Leben geht genauso weiter wie bislang“, zeigte er auch im Erfolg Bodenhaftung. Er ging 2020 mit einem Sport-Stipendium in die USA („Dieser Schritt war entscheidend für meine Leistungsentwicklung.“). Die räumliche Nähe von Trainingsstätten, Hörsälen und Wohnbereich auf dem Campus sowie die medizinische Betreuung sind wesentliche Vorteile an den US-Universitäten. „Ich habe hier beste Bedingungen und werde optimal gefördert“, sagt Neugebauer.

Bei der WM in Budapest war er als Führender nach dem ersten Tag des Zehnkampfs an den ersten drei Hürden gestrauchelt und verpasste am Ende als Fünfter mit 8645 Punkten eine Medaille nur knapp. Elfmal hätte diese Punktzahl bei früheren Weltmeisterschaften zu Silber gereicht.

Der Wirtschaftsstudent erhielt große mediale Aufmerksamkeit, unter anderem bei einem begeisternden Auftritt im ZDF-Sportstudio nach der WM. „Leo the German“, wie sie ihn in den USA nennen, ist zum Botschafter geworden. „Ich freue mich schon auf Paris 2024“, hat er die Olympischen Spiele als Ziel bereits klar vor Augen. Und eine Medaille vielleicht im Hinterkopf…

Ganz oben auf dem Treppchen landete der seit November 2023 im Trikot des VfB Stuttgart startende Modellathlet dann am dritten Advent: Bei der Gala „Sportler des Jahres“ im Baden-Badener Kurhaus wurde er zum „Newcomer des Jahres“ gekürt. Dieser Preis ist eine Auszeichnung der „Sieger-Chance“, einer Zusatz-Lotterie der Glücksspirale.

Die bisherigen „Newcomer des Jahres“ und deren weitere Entwicklung nach ihrer Ehrung in Baden-Baden:

2022 Hannah Meul (Sportklettern) holte beim Boulder-Weltcup im April 2023 im japanischen Hachioji Silber und ist Weltranglisten-Zweite im Bouldern und Vierte in der Welt in Bouldern & Lead. Das große Ziel der 22-Jährigen: Olympia 2024 in Paris.

2021 Annett Kaufmann (Tischtennis) war mit 15 Jahren die jüngste „Newcomerin“, die Bundesligaspielerin aus Böblingen wurde 2021 souverän U19-Europameisterin.

2020 Lea-Sophie Friedrich (Bahnrad) holte im Jahr 2021 Olympia-Silber im Teamsprint in Tokio, wurde Keirin-Europameisterin in Grenchen (Schweiz) und gewann dreimal WM-Gold (Zeitfahren, Keirin und Mannschaft) in Paris. 2022 wurde sie in München mit EM-Silber dekoriert, und wurde jeweils zweimal Welt- und Europameisterin.

2019 Oliver Zeidler (Rudern) schrammte bei der EM in München knapp am Podest vorbei (Platz 4) und gewann bei den Weltmeisterschaften in Tschechien den Titel vor dem Europameister Melvin Twellaar aus den Niederlanden.

2018 Vinzenz Geiger (Nordische Kombination) sicherte sich 2022 in Peking nach einem furiosen Antritt die Olympische Goldmedaille in der Einzelwertung, 2019 und 2021 gewann er jeweils WM-Silber im Team.

2017 Jacqueline Lölling (Skeleton) „bestätigte“ ihre Wahl mit dem Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang (Südkorea), wurde daraufhin Ehrenbürgerin ihrer Heimatgemeinde Brachbach und erhielt im Juni 2018 von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Silberne Lorbeerblatt. 2020 jubelte sie über WM-Teamgold.

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Newcomerin des Jahres 2022

Hannah Meul – der sympathische „Kletterfloh“ hatte Gänsehaut

Feiern? Jetzt? Hannah Meul (21) musste lachen – eigentlich lacht sie ständig –, so überwältigt war die Sportkletterin. Die Silbermedaille baumelte um ihren Hals, die erste für die deutsche Mannschaft bei den European Championships in München. „Ich will eigentlich nur ins Bett, lange ausschlafen und dann hoffen, dass die Haut an den Händen nachwächst“, sagte die Studentin (Soziale Arbeit an der Technischen Hochschule Köln).

Hannah Meul, in Frechen geboren, 1,67 Meter „groß“, 50 Kilo „schwer“, ist seit dem Sommer die deutsche Sport- und Wettkampfkletterin. Die Silbermedaille im Bouldern in der bayerischen Hauptstadt ist ihr bisher größter sportlicher Erfolg. Ihr Verein ist die am 19. Februar 1876 gegründete Sektion Rheinland-Köln im Deutschen Alpenverein (DAV), mit 20.967 Mitgliedern zugleich einer der größten Sportvereine Deutschlands. Bouldern (englisch „boulder“ – „Felsblock“) ist das Klettern ohne Seil an Felsen oder künstlichen Kletterwänden bis zu einer Absprunghöhe, aus der noch ohne Verletzungsrisiko auf den Boden gesprungen werden kann. Bei Olympischen Spielen war Bouldern zum ersten Mal 2020 in Tokio vertreten. Hannah Meuls großes Ziel – wen wundert’s – ist Olympia 2024 in Paris.

Besonders die jungen, für viele vielleicht noch unbekannte Sportarten, sorgten in München für eine riesengroße Begeisterung. 5.000 Menschen pilgerten jeden Tag zum Königsplatz, um dabei zuzusehen, wie die Athleten die Wände hochklettern. Und das in einer Stadt, die doch eigentlich nur für den Fußball brennt. So dachte man jedenfalls bisher. „Genial, vor so einem Publikum zu klettern – ich hatte Gänsehaut“, bekannte der sympathische „Kletterfloh“ mit der Stupsnase.

Sie begann als Siebenjährige in einer Kindergruppe zu klettern. Mit zehn Jahren bestritt sie ihren ersten Wettkampf. In der Saison 2015 debütierte sie auf internationaler Ebene und nahm am European Youth Cup und an der Juniorenwelt- und -europameisterschaft teil. Bei ihrem ersten Weltcup 2017 in Meiringen erreichte sie auf Anhieb das Halbfinale im Bouldern und wurde Zwölfte. Zudem holte sie im selben Jahr den Titel einer Deutschen Meisterin im Lead. Dieses „Schwierigkeitsklettern“ (englisch „lead climbing“, seltener „difficulty climbing“ oder umgangssprachlich „Onsight-Wettkampf“) ist die Bezeichnung für eine weitere Disziplin des wettkampfmäßigen Sportkletterns.

2020 verpasste sie als EM-Vierte im Lead knapp eine Medaille und damit die Chance auf eine Teilnahme an Olympia in Tokio und wurde Deutsche Meisterin im Bouldern. Nach Kombi-Platz 5 schrammte sie 2021 knapp an einer WM-Medaille vorbei. Die Saison 2022 wurde die bisher erfolgreichste ihrer Karriere: Sie qualifizierte sich erstmals für ein Weltcupfinale im Bouldern und musste sich beim Weltcup in Brixen im Finale nur Natalia Grossman (USA) geschlagen geben. Diese Platzierung wiederholte sie beim Boulder-Weltcup in Innsbruck, in Jakarta erreichte sie erstmals ein Weltcup-Lead-Finale und wurde Vierte.

Bei der Gala „Sportler des Jahres“ im Baden-Badener Kurhaus stand sie jetzt ganz oben auf dem Treppchen und wurde zur „Newcomerin des Jahres“ gekürt – die Auszeichnung vergibt die „Sieger-Chance“, eine Zusatz-Lotterie der Glücksspirale.

 

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Newcomerin des Jahres 2021

Annett Kaufmann – mit 15 Jahren jüngste U21-Europameisterin ever. Wenn die Bezeichnung „Golden Girl“ auf eine Sportlerin zutrifft, dann auf Annett Kaufmann. Die 15-jährige Tischtennisspielerin gewann im August bei den Jugend-Europameisterschaften in Varazdin (Kroatien) drei Goldmedaillen, wurde Anfang Oktober im rumänischen Cluj-Napoca mit den deutschen Damen Mannschafts-Europameisterin und krönte ihr erfolgreiches Jahr im November in Spa (Belgien) mit Einzel-Gold bei den U21-Europameisterschaften – als jüngste Titelträgerin der Geschichte.

Das vorerst letzte „Gold“ gab es nun im Dezember: Am vierten Advent wurde die größte Nachwuchshoffnung des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) bei der Gala „Sportler des Jahres“ im Baden-Badener Kurhaus zur „Newcomerin des Jahres“ gekürt. Dieser Preis ist eine Auszeichnung der „Sieger-Chance“, einer Zusatz-Lotterie der Glücksspirale.

Die Schülerin des Ellental-Gymnasiums Bietigheim-Bissingen – Vater Andrej war Eishockey-Spieler, Mutter Anna Skirennläuferin – begann im Alter von viereinhalb Jahren im Rahmen des Sommerferienprogramms mit dem Tischtennis. Ihr erster Verein war der TTC Bietigheim-Bissingen, mit dem sie in der dritten Bundesliga Süd spielte. 2019 wechselte die Linkshänderin zur SV Böblingen und gab am 17. November ihr Bundesligadebüt gegen TuS Bad Driburg – mit zwei 1:3-Niederlagen im Doppel und im Einzel zahlte sie damals noch Lehrgeld.

Annett Kaufmann war im August mit ihren drei Goldmedaillen (und einmal Bronze im Mixed an der Seite von Lleyton Ullmann (TSV Sasel) die herausragende Spielerin der kontinentalen Jugend-Titelkämpfe und strahlte nach der Siegerehrung über das ganze Gesicht: „Ich bin definitiv über-, über-, überglücklich mit meiner Leistung und total stolz! Ich hätte nie damit gerechnet, dreimal Gold und einmal Bronze zu holen – ich bin einfach überwältigt!“ Auch Bundestrainerin Lara Broich schwärmte: „Das war eine sensationelle Vorstellung im Finale. Sie hat supergenau auf den Punkt ihr allerbestes Tischtennis abgerufen und die gesamte Konkurrenz regelrecht dominiert. In allen Wettbewerben Medaillen abzuräumen, darunter dreimal Gold – Chapeau!“

Und Ralf Tresselt, DTTB-Vizepräsident Jugendsport, lobte: „Annett hat mit ihren Leistungen dieser EM den Stempel aufgedrückt, das war beeindruckend!“ Da passte es exakt ins Bild, dass es vor dem Einzelfinale am letzten Turnierabend aus den Lautsprechern in der Halle Tina Turners Hit „Simply the best“ ertönte – genau die richtige Musik für Annett Kaufmann, die mit großem Selbstvertrauen in ihre 32. Partie (!) dieser Jugend-EM ging und „ihr“ Turnier mit dem Gewinn des Einzeltitels krönte.

Bild: Annett Kaufmann (links) und Lea Sophie Friedrich (rechts) die Vorjahressiegerin.

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Newcomerin des Jahres 2020

Lea Sophie Friedrich – Jüngste Zeitfahr-Weltmeisterin aller Zeiten. Mit 75 km/h über die Planken eines Velodroms zu rasen, das ist „schon geil“ – und es ist die Leidenschaft der Lea Sophie Friedrich, kurz Lea. Sie schrieb in diesem Jahr Geschichte bei den Bahn-Weltmeisterschaften in Berlin und wurde im Dezember bei der Gala zum „Sportler des Jahres“ im Baden-Badener Kurhaus zur „Newcomerin des Jahres“ gekürt. Der Newcomer-Preis ist eine Auszeichnung der „Sieger-Chance“, eine Zusatz-Lotterie der Glücksspirale.

„Vollgas“! Das ist das Leben der jüngsten Weltmeisterin aller Zeiten, die Ende Februar 2020 zu WM-Gold im 500 Meter-Zeitfahren raste. Noch Monate später bekommt sie Gänsehaut, wenn sie an das Überqueren der Ziellinie zurückdenkt. Das schreiende und jubelnde Publikum ersetzte ihr den Blick auf die Anzeigetafel. „Ein wahnsinnig geiles Gefühl. Da wusste ich schon, ich habe gewonnen“, verrät die 20-Jährige aus Dassow an der Ostsee später. Zuvor hatte sie, zusammen mit Emma Hinze und Pauline Grabosch, schon das Regenbogentrikot im Teamsprint gewonnen. Im Herbst folgte bei der U23-Bahn-EM in Fiorenzuola/Italien viermal Gold im Teamsprint, Sprint, Zeitfahren und Keirin.

Schon in den Nachwuchsklassen der Jugend und Juniorinnen wusste Lea Friedrich, die zunächst kickte, ehe sie als Radsporttalent entdeckt wurde, zu überzeugen: als U19-Weltmeisterin, mehrfache Deutsche Meisterin und geschmückt mit etlichen WM- und EM-Medaillen. Dass die Olympischen Spiele in Tokio auf 2021 verschoben wurden, kann ihr aber zum Vorteil gereichen. So nutzt das Küken im deutschen Kurzzeit-Team die Zeit, um weiter Erfahrung in Technik und Taktik zu sammeln. Schließlich fährt man Rennen „mit Beinen UND Kopf“, weiß sie.

Seit 2017 trainiert die junge Doppelweltmeisterin in der Bundespolizeisportschule Kienbaum in Brandenburg, wo sie sich Tipps von ihrer Vorgängerin Kristina Vogel holt, die inzwischen dort als Trainerin arbeitet. Auch der Austausch über andere Leidenschaften (wie zum Beispiel Handtaschen) klappt. Beide möchten vor allem eines: den Bahnradsport populärer machen. Als nächstes legt aber die angehende Polizeimeisterin Friedrich den Fokus auf die Abschlussprüfungen im Januar und Februar.

Dann, so alles gut geht, mögen die Spiele von Tokio beginnen.

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