Es war kurz nach sechs Uhr am Samstagmorgen, als eine Sängerin an der Bucht von Kailua-Kona zur amerikanischen Nationalhymne ansetzte und Starterinnen wie Zuschauer der Ironman-Weltmeisterschaft innehielten. Die Musik endete – und das Rauschen des Pazifiks übertönte alles. Normalerweise liegt er am frühen Morgen ruhig da, der Weg hinein führt einige Meter über den Strand. An diesem Morgen aber war die See rau. Es sollte ein Omen sein für den restlichen Tag, den Laura Philipp (38) mit der Startnummer 1 in Angriff nahm.
Ein gutes Jahr ist es her, dass sich die Heidelbergerin in Nizza ihren Traum erfüllt hatte und Ironman-Weltmeisterin wurde. Nach zwei vierten und einem dritten Platz auf Hawaii wollte sie nun auch auf der Sehnsuchtsinsel der Triathleten triumphieren. Es misslang. Aber: Am Ende eines Tages, an dem die Insel den Profis und Altersklassenathletinnen alles abverlangte und an der Spitze des Feldes für Dramen sorgte, gelang ihr erneut der Platz aufs Podest. „Am Ende“, sagt sie, „bin ich stolz, an einem Tag, der für mich nicht magisch war, Dritte zu werden.“ Den Sieg feierte die Norwegerin Solveigh Lövseth (8:28:27 Stunden) vor der Britin Kat Matthews (+35s); Philipp kam neun Minuten hinter der neuen Weltmeisterin ins Ziel.
Zwei Tage vor dem Rennen hatte sie in einem Café mit Blick auf die Schwimmstrecke gesagt: „Ich denke, es ist das stärkste Feld, das wir je hier hatten. Ich habe mich auf eine Jagd eingestellt, auf einen langen harten Tag. Vor allem Lucy Charles-Barclay ist on fire. Ich bin mir nicht sicher, ob sie jemand nach dem Schwimmen einholen kann.“ Die Britin stieg am Samstag dann erwartungsgemäß als Erste aus dem Wasser, Philipps Rückstand allerdings war mit knapp fünf Minuten groß. Und er wuchs auf der 180 Kilometer langen Radstrecke an. Ausgerechnet auf ihrer Paradedisziplin geriet der Sieg in weite Ferne. Zu kämpfen hatten alle: Die sogenannten Mumuku-Winde präsentierten sich in Bestform, dazu die nach einer Regennacht noch einmal höhere Luftfeuchtigkeit bei 30 Grad Außentemperatur.
Beim abschließenden Marathon im Glutofen Big Islands lief die Amerikanerin Taylor Knibb schließlich zu der mit sich und den Bedingungen kämpfenden Charles-Barclay auf. Die Britin geriet nach etwa der Hälfte der Laufstrecke immer wieder ins Wanken, baute Gehpausen ein – bei etwa 7:45 Stunden Renndauer nahm ihr Ehemann sie schließlich aus dem Rennen. Und Knibb lief ihrem ersten Ironman-WM-Titel entgegen. Doch dann, circa drei Kilometer vor Schluss, an einem langgestreckten Anstieg, ging nichts mehr. Ihr Körper machte komplett dicht. Sie ging, sie torkelte, sie setzte sich auf den Asphalt. Und stand nicht mehr auf. Lövseth, Matthews und Philipp hielten durch, ihre Kräfte reichten.
„Ich wurde richtig durchgekocht“, sagte Philipp später. „Es war ein harter Tag und nicht der, von dem ich geträumt hatte. Aber es war ein guter Test, ob ich dazu in der Lage bin weiterzumachen, wenn es nicht läuft.“ Und sie hat ihn bravourös gemeistert.
Bild: picture alliance