Welch ein Herbst für den Radsport. Gerade gehört die erste WM auf dem afrikanischen Kontinent der Geschichte an, da bittet Frankreich (in der Region Drôme/Ardèche) zu den Straßen-Europameisterschaften. Welche Rolle spielen die Aktiven von German Cycling, 2024 mit fünfmal Silber und einmal Bronze gut im Geschäft?
Doch zurück nach Ostafrika. In Ruanda gingen die deutschen Biker leer aus. Antonia Niedermaier setzte mit sechsten Plätzen (Zeitfahren/Straßenrennen) zwei Ausrufezeichen, auch in Frankreich gehört die 22-Jährige zum Aufgebot. Häufig im Einsatz rund um die Hauptstadt Kigali war Verbandsarzt Dr. Matthias Baumann, die (typischen) Durchfallerkrankungen ließen sich trotz guter Prävention nicht vermeiden – es betraf nahezu alle Nationen.
Trotzdem: „Die Entscheidung pro Afrika war richtig“, vor allem das Flair habe „olympische Züge“ angenommen. Die Organisation stuft er als „perfekt“ ein, auch in punkto Sicherheit gab es keine Makel. Alle fühlten sich wohl, Ruanda zählt zu den wohlhabendsten und sichersten Ländern des Schwarzen Kontinents. Und erst die Begeisterung, die beim (Pogacar-) Rennen der Elite einen prickelnden Höhepunkt erlebte. In Fünfer- und Zehnerreihen standen die Fans an der Straße, extrem stolz, dass die Welt auf das „Land der tausend Hügel“ blickte.
Baumann erlebte auch die Faszination für das Fortbewegungsmittel Fahrrad. „In der Stadt sind ganz viele mit Mopeds unterwegs, auf dem Land ist das Rad das Haupttransportmittel. „Sie packen riesige Bananenstauden auf speziell präparierte Rücksitze. Oder Milchkannen, geschätzte 100 Kilo schwer.“ Und wenn die WM-Starter beim Training in die Pedale traten, „versuchten die Einheimischen, mit Badelatschen, kurz mitzuhalten.“
Nun komme es darauf an, künftigen Rad-Cracks in Ruanda für ihren Sport den Zugang zu erschwinglicher und dennoch guter Technik zu ermöglichen.
Im Vorfeld hatte die Skepsis vor der Afrika-WM-Premiere überwogen, jetzt – konstatiert Dr. Baumann – hat sich das Wagnis gelohnt. „Die Ängste waren groß, wegen Gelbfieber, Malaria, Hepatitis, aber wir haben überhaupt keine Mücken gesehen.“ Er, der Weltenbummler, am Himalaya fast heimisch, würde wiederkommen nach Ruanda, auch um die positiven Signale der Weltmeisterschaft zu konstatieren.
Und German Cycling hofft nun in Frankreich auf Empfehlungen, in Form von Edelmetall, für die Wahl „Sportler des Jahres“. Im Einsatz ist auch Franzi Brauße (Straße, Einzelzeitfahren, Teamrelay), 2021 Mitglied des Goldvierers, in Baden-Baden zur „Mannschaft des Jahres“ gekürt.